Dienstag, 30. April 2013
Montag, 15. April 2013
Mein fotografierender Enkel
Lea und ich sind mit neun Enkeln gesegnet. Natürlich sind sie alle Genies. Hier einer davon: Yonathan. Er ist der drittälteste und der, der bei seiner Brit Mila (Beschneidung) auf meinen Knien lag. Das war noch in Rüschlikon am Zürichsee. Also bin ich nicht nur sein Opa, sondern auch sein Sandak, so eine Art Götti.
Heute ist Yonathan Berufsoffizier in der IDF (im vergangenen Jahr wurde er "Katzin Mitztajen" des Militärabschnitts Norden) und ein fabelhafter Photograph. Mir geht es mit diesem Tagebucheintrag um letzteres. Anlässlich Leas und meines gemeinsamen hundertfünfzigsten Geburtstages im vergangenen Sommer, sagte Yonathan in einer von uns nicht erwarteten kleinen Ansprache, er habe die ersten Grundsätze der Fotografie von mir gelernt - aber heute bringe er mir moderne Fotografie bei. Genau so ist es!
Ich möchte hier und in folgenden Einträgen einige seiner Photographien zeigen. Es sind keine Schnappschüsse, sondern Arbeiten, an denen Yonathan zu einem grossen Teil viele Stunden arbeitet.
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Selbstportät mit Schwester Na'ama - © Yonathan Russak
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© Yonathan Russak
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Blick auf Hauaf - © Yonathan Russak
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Samstag, 13. April 2013
Frühe Empathie
In der Times of Israel war heute ein erleuchtender
Artikel zu lesen, der die Empathie und die Offenheit gegenüber der
vorauszusehenden arabischen Minderheit im kommenden Staat der Juden dokumentiert.
Das Dokument erwähnt drei
Optionen: Palästina oder Filastin, Zion oder Sayoun, Israel oder Eesra‘il (Isra’il).
Die drei Offiziellen arbeiteten unter zwei Annahmen: ein arabischer Staat
würde, gemäss UNO-Resolution 181, neben dem Staat Israel entstehen und der
jüdische Staat werde eine grössere arabische Minderheit enthalten, deren Gefühle
berücksichtigt werden müssen.
Der Name Palästina wurde abgelehnt, da der zu entstehende arabische Staat
neben Israel, voraussichtlich diesen Namen tragen würde. Das würde für
Verwirrung sorgen. Der Name „Zion“ (Sayoun) wurde ebenfalls abgelehnt, da das
Wort Zion (oder Zionist) in der arabischen Welt zu einem abschätzigen Ausdruck
geworden war. Das Wort „Zion“ würde es arabischen Israelbürgern erschweren,
sich mit dem neuen Staat zu identifizieren. Am Ende entschied sich die Kommission
für die Bezeichnung Eesra’il, oder Israel.
Dieses Detail aus der frühen Geschichte Israels, dokumentiert die Tatsache,
dass es unter den Gründervätern unseres Landes solche gab, die sich
über die Gefühle der Araber im Land Gedanken machten. Ebenso zeigt es, dass
diese Gründerväter und Offiziellen, sich über arabische Gefühle klar waren und sie
berücksichtigen wollten. Ein Fall menschlicher Empathie und Rücksichtnahme auf
den Schwächeren. Diese Tatsache, die der verlogenen und von „Israelkritikern“
erfundenen These, Israel hätte von Anfang seines Bestehens an die Vertreibung der lokalen Araber
und der Verhinderung einer arabischen Minderheit geplant widerspricht, sollte etwas
Sand in die Argumente dieser Israelhasser streuen.
Dieser Bericht repräsentiert sicherlich nicht die politische
oder menschliche Einstellung aller damaligen Politiker Israel, auch wenn es
damals keinen jüdischen Nationalismus gab, der sich mit dem heutigen einiger
faschistoider rechtsextremistischer Parteien vergleichen lässt. Aber die Reaktion der
arabischen Welt auf die Ausrufung des Staates Israel, machte alle vorherigen friedenspolitischen
Anstrengungen hinfällig. Aus einer guten Nachbarschaft wurde nichts. Nicht dass
Israel vom Angriff der Palästinenser und ihren arabischen Sympathisanten völlig
überrascht worden war, doch war es bereit mit seiner uneingeschränkten Akzeptanz
der UNO-Resolution 181, seiner künftigen arabischen Minderheit das Leben in einer
demokratischen Gesellschaft mit jüdischer Mehrheit und der Wahrung und Ausübung
ihrer eigenen Kultur zu ermöglichen. Doch die Araber Palästinas wussten es
besser und das Resultat davon ist heute für die gesamte Welt klar zu sehen -
wenn diese es sehen will.
Donnerstag, 11. April 2013
2 X Persönliches
Holocaust-Gedenktag
im Dor Tiv’on
Lea
und ich sind umgezogen. Seit dem 31. Dezember 2012 leben wir aus
gesundheitlichen Gründen in einer sogenannten Alters-Residenz. Ich beschreibe
sie gerne als eine Kreuzung von Luxushotel und Kibbuz. Ein wunderschönes
grosses Haus im Grünen mit fast zweihundert Wohnungen und etwa 250 AKs, („alte
Kacker“), einer treffenden amerikanisch-jiddischen Bezeichnung. AKs mit Format.
Ein neuer Lebensabschnitt für ältliche aschkenasische Juden. Uns gefällt‘s. Wir
kochen selbst oder gehen aus oder gehen zu Freunden. Wir sind selbstständig und
frei, haben unser Auto und können tun und lassen was wir wollen. Der Swimmingpool ist
göttlich, die Folterkammer, in die ich nicht darf, ebenso. Zudem gibt es einen
Theatersaal für 250 Personen, in dem wöchentlich verschiedene kulturelle Anlässe
stattfinden, eine fabelhafte dreisprachige Bibliothek (Hebräisch, Englisch, Deutsch), Billard und Pingpong,
ein grosser Raum für Malerei, Töpferei und ähnlichem und, nicht zu vergessen,
ein Raum für Bridgespieler/innen. Einen Coiffeursalon hat es auch. Dort wurde
mir für vierzig Schekel innert drei Minuten das Haar auf einen Millimeter kurz geschoren.
Es sieht aus, als hätte ich eine rasierte Glatze. Oder wie ein Rekrut der amerikanischen Marines. Ich fühle mich kahl. Meiner
neuen Freundin, der blonden Betriebschefin Nira, gefällt‘s, meiner Lea nicht.
Für
uns ist es zum Teil eine Rückkehr in den Kibbuz, in dem Teilnehmen und Beitragen
gross geschrieben wurde. Neben dem Schwimmen, mache ich in einer
englischsprachigen Poesiegruppe mit, es ist a lot of fun, die Leute sind
unterhaltend und ich fühle mich dort ausgezeichnet. Für nächstes Mal habe ich
eine hervorragende englische Übersetzung von Christian Morgensterns „Die
unmögliche Tatsache“ bereit. Das, obwohl ich eigentlich für Poesie nie viel am
Hut hatte. Dann gibt es einen wöchentlichen Runden Tisch, an dem ich mich
vergass und dreissig Minuten lang über mich selbst quatschte (ich musste mich vorstellen) und niemand mich unterbrach. Gott,
sind die Leute höflich. Und dabei herzlich. Dann gibt es einen monatlichen
Vortrag im Kultursaal zu einem Thema der Antike. Bisher über den Gilgamesch-Epos
und dessen Parallelen zu Erzählungen im Alten Testament und anderen Religionen
des östlichen Mittelmeeres und Mittleren Ostens. Dann ein Vortrag über den Trojanischen
Krieg. Diese Vorträge, in bestem Hebräisch gehalten von einem Jecken meines
Alters, sind ein Vergnügen. Yehuda Adler, so heisst er, besitzt einen dramatischen
Stil, seine Stimme, manchmal vehement, dann wieder ruhiger aber nie leise, fasziniert
mich. Wie hypnotisiert sitzen die Leute da und saugen sich die Erzählungen ein.
Einmal war ich an einem Shabbatabend an einem Jazzkonzert. Ich kam einige
Minuten früh und setzte mich vorne in die zweite Reihe. Der Saal war fast leer.
Nach einigen Minuten Konzert, drehte ich mich um und stellte fest, dass der
Saal fast völlig voll besetzt war – voller AKs, vor allem Frauen, die mit Händen
und Füssen den Rhythmus mitschlugen. Flotte Weiber! Das Konzert war sehr schön
und wurde von einem Altisten und einem russischen Akkordeonisten hervorragend bestritten.
Ich kannte das Akkordeon bisher kaum als Jazzinstrument, bestenfalls beim Zydeko,
der jazzigen Musik der Cajuns in Louisiana. Nach Konzertschluss fachsimpelte
ich noch zusammen mit meinem neuen Freund Sam (85) und dem
Saxophonisten. Auf Hebräisch nennt sich der gebürtige Amerikaner Sam Israel. Er
ist Berufsmusiker, Hansdampf in allen Musiksparten und Besitzer einer Unzahl
Musikinstrumente, Tuba, Gitarre, Posaune und was noch. Singen tut er auch.
Unsere
Alters-Residenz heisst Dor Tiv’on und ist, dem Namen entsprechend in Tiv’on,
einem Ort, nicht so lebendig wie Zichron Ya’akov, aber ebenso schön. Dazu nur zwanzig Autominuten von unserer Tochter Dvorit in Haifa entfernt.
Vor
wenigen Tagen fand im Theatersaal die Feier für den Holocausttag statt. Wie ich
hörte, sind etwa dreissig Prozent der Bewohner Dor Tiv’ons Holocaustüberlebende.
Im Gegensatz zu den Feiern, die man im Fernsehen betrachten kann, war ich sehr
beeindruckt – denn wir haben inzwischen einige dieser Holocaustüberlebenden kennengelernt. Es wurden sechs Kerzen angezündet, jede von einen Holocaustüberlebenden. Eine Kerze für jede Million
ermordeter Juden.
Unsere
Holocaustüberlebenden gehören nicht zu den vielen, die heute im
Staate Israel notleiden. Sie haben es, trotz ihrem Schicksal, geschafft nach
dem Krieg in Israel ein normales Leben aufzubauen. Wer das nicht konnte wird
bis heute von der Regierung vernachlässigt, eigentlich betrogen. Schon David Ben
Gurions Regierung, der seinerzeit mit Konrad Adenauer (gegen den Willen von
Menachem Begin und seinen Rechtsextremisten) den Vertrag für deutsche
Wiedergutmachung aushandelte, unterschlug deutsche Gelder und integrierte sie
ins israelische Budget, statt sie den Holocaustüberlebenden weiter zu geben.
Nur jene, die ihre Renten direkt von Deutschland beziehen, kamen zu ihrem
Recht. Diese Tradition der Schande hält bis heute an. Das ist eine der grossen,
der Öffentlichkeit im Grossen und Ganzen unterschlagenen Skandale. Heute sterben
täglich, so war in Haaretz zu lesen, 37 Holocaustüberlebende. So spart die
Regierung Geld. Zum ersten Mal wurde dies von Nethanyahu anlässlich seiner Rede
an der offiziellen Feier in Jerusalem thematisiert. Wer weiss, vielleicht hat
dies eine Verbindung zum neuen Finanzminister Israels, Yair Lapid, dessen Vater
Tommy auch ein Holocaustüberlebender gewesen war. Es wäre höchste Zeit, diesen
Schandfleck der Geschichte Israels zu entfernen. Im Gegensatz zu den
Problemen mit seinen Nachbarn und den Palästinensern, ist dieses völlig
hausgemacht. Ich hoffe sehr, dass dieses Problem, das eigentlich mit
dem Regierungsbudget gar nichts zu tun haben sollte, sind es doch vor allem
deutsche Gelder, verschwindet.
Positiv
ist heute, dass dieses bisherige Fehlverhalten israelischer Regierungen endlich
thematisiert worden ist. Gerechtigkeit ist in Sichtweite – hoffentlich habe ich
Recht.
Das
Geburtsrecht Steine zu werfen - mein
Brief an Haaretz
Ich finde Haaretz eine sehr
gute Zeitung. Für Leute, die keine Kritik vertragen, ist sie allerdings ein rotes Tuch. Eigentlich
eine Eigenschaft ganz in meinem Sinne. Trotzdem habe ich mein Abo annulliert,
da sie Schreibern wie Amira Hass und teilweise auch Gideon Levy, Gelegenheit
gibt Israelhetze zu betreiben und im vorliegenden Fall, Fräulein Hass ein
Honorar dafür bezahlt den Versuch palästinensischer Gewalttäter mir und anderen Israelis
mit Steinbrocken den Kopf einzuschlagen, als empfehlenswert betrachtet. Das passt
mir nicht und ich kündigte. Ich hoffe, exzellenten Haaretz-Journalisten wie Ari
Shavit, Aluf Benn, Nehemia Strassler und anderen, damit nicht ans Eingemachte
gegangen zu sein.
Rabotai,
After
having read more than once Amira Hass' article "The inner Syntax of
throwing stones" in past Wednesday's issue I wish, after much
deliberation, to cancel my subscription of Haaretz with immediate effect.
Amira
Hass' "understanding" of everything, even hurting and killing by
Palestinians is her right and freedom of expression. It is also my right to
react to it the way I do. Palestinians have as little right to kill as do
Israelis right wingers and settlers. To my mind Amira Hass suffers from
something similar to the Stockholm Syndrome. To her and Gideon Levy as well,
Palestinians possess the freedom to commit any crime as long they connect it to
their so called fight for freedom, whatever that means in their culture, that
since the past Twenties, introduced and
promoted by the Mufti Hadj Amin al-Husseini and the Muslim Brothers'
Hassan al-Banna, both Nazis admirers and activists of the first hour, seems to
be their main aim in live. Arabs, for the whole world to see, seem to be unable
to deal with freedom. At least that is the impression provided by the
happenings in their world.
Also
I refuse to identify myself with the settler movement (far from it) and support
basically the today called Palestinians to have their own state. However, Palestinian education to Jew hatred and their
activities in this respect, dissuades anyone with an open mind, independent of
ideology, to support them today. It seems to me, that all Zionist parties (even
Meretz) in Israel have come to similar conclusions.
As
long as Amira Hass and to some extend Gideon Levy are given space in Haaretz to
provide their poisonous input for the "Israel critical" world,
providing them with the excuse to say "Jews themselves say so“ I shall not
keep my subscription of Haaretz. Sorry!
Please
confirm my cancellation, Paul Russak
PS:
a copy of this letter is sent to a number of friends.
Übrigens,
meine Annullation ist bisher noch nicht bestätigt worden.
Mittwoch, 3. April 2013
Reflexe statt Reflexionen
Auf meinen Tagebucheintrag von 21.3.2013, in dem ich Christian
Morgensterns Gedicht „Die unmögliche Tatsache“ in den Kontext nahöstlicher
Hassideologien stellte, meldete sich ein wirklich guter Freund, der findet, ich
dürfe es nicht den Lesern überlassen, sich über von mir erwähnte Beispiele ohne
Quellenangabe zu informieren. Das sei journalistisch nicht seriös, denn man
könne dem Leser nicht zumuten, selbst ein gewisses Grundwissen zu einem ihn
interessierenden Thema zu besitzen. Ich kann diesen Einwand verstehen und – up
to a point – auch zustimmen. Doch bin ich der Meinung, ein interessierter Leser
könne sich zu jedem Thema nur dann ein wirkliches Bild machen, wenn er sich
nicht gänzlich auf die Medien verlässt, sondern sich aus eigener Initiative
Informationen sucht. Das wäre reinstes Konsumieren - für Reflexion, Vergleiche, Hintergründe oder Kontext besteht kein Interesse, von Neugier über die Realität ganz zu schweigen. Mir wurde in Managementkursen stets eingebläut,
Information sei eine Holschuld. Also nicht auf den Hinterbacken sitzen bleiben
und warten bis man sie bringt, sondern aufstehen und sie sich selbst
beschaffen.
Nichtsdestotrotz will ich hier unter anderem zum Thema meines
vorgängigen Tagebucheintrags im Nachhinein (wofür ich mich entschuldige) einige
Beispiele mit Quellenangabe aufführen. Es geht darum, zu zeigen, wie
„Israelkritiker“ jede noch so klare Gelegenheit nutzen, Tatsachen zu verdrehen
und ihrer jeweiligen Ideologie anzupassen. In diesem Fall, Israel auch dann
einen Strick zu drehen, wenn Fakten das Gegenteil beweisen. Es sind
Medienschaffende, Hobbykommentatoren, die hier ihre Seele auslüften dürfen.
Zur Geschichte der Autobusse für palästinensische Arbeiter aus der besetzten Westbank:
"Busse sind ein Symbol für Rassentrennung”, sagt Hagit Ofran von der israelischen Friedensgruppe "Schalom Achschav (Frieden Jetzt). „Es könnte einen Grund geben, weshalb das Interesse daran so groß ist. Die Segregation ist überall ein Problem, aber beim Thema Busse sieht es besonders schlecht aus. ”Quelle: wallstreetjournal.de vom 05.03.2013".
Apartheid in Israel: Spezielle Busse für Palästinenser - Seit Montag verkehren von der Grenzen zum Westjordanland Busse, die nur für Palästinenser zu benutzen sind und diese zur Arbeit nach Israel bringen sollen. Siedler hatten in der gemeinsamen Nutzung von Bussen ein Sicherheits-Risiko gesehen. - (...) Nach dem Bau einer Mauer gab es allerdings keine Bus-Anschläge mehr in Jerusalem. Daher ist es bemerkenswert, dass ausgerechnet jetzt die Palästinenser eine Demütigung hinnehmen müssen, die stark an die Rassentrennung in den US-Südstaaten oder an die Apartheid in Südafrika erinnert. Quelle: http://www.palaestina-portal.eu/texte/rassismus.htm
Tolles Land, dieses Israel (Ironie). Pfuii… Die haben aus ihrer eigenen Geschichte nichts gelernt und unterdrücken und diskriminieren ein ganzes Volk und Zugezogene. Ein solches Land muss laut Vereinter Nationen doch eigentlich strengsten Sanktionen unterworfen werden und boykottiert werden. Stattdessen schenken wir Deutsche denen noch Kriegsgerät mit dem sie dann ungestraft andere Nationen bedrohen und terrorisieren. Also ich kaufe nichts aus Israel und boykottiere alle ihre Produkte. Kein Gemüse aus dem Aldi, etc… Quelle: Leserkommentar zum Autobusthema in den Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten.de
Rosa Parks durfte wenigstens den Bus benutzten, sollte aber für Weiße aufstehen. Die rassistischen Besatzer in Palästina lassen die Palästinenser in ihren Bussen nicht mehr mitfahren? Wieviel Apartheid braucht es noch damit die bedingungslose Unterstützung für Israel aufhört und gleiche Menschenrechtsstandards angelegt werden, auch in der Berichterstattung. Aber es wird sich in Schweigen gehüllt! Quelle: Kommentar in einer schwer zu identifizierenden Website - http://urs1798.wordpress.com/2013/02/28/
Da kann man an die Erklärung des früheren südafrikanischen Ministerpräsidenten Hendrik Verwoerd denken, der süß lächelnd das Gute an der Rassentrennung pries. Sie befördere das gut Nachbarschaftliche (“good neighborliness”) Quelle: http://www.transatlantikblog.de/2013/03/06/israel-separate-busse-fuer-palaestinenser-westbank/
Linke Kreise zeigen sich über die Neuerung schockiert. «Haaretz» spricht in einem Kommentar vom «Bus zur israelischen Apartheid» und erinnert an die Geschichte der Rassentrennung in den USA. Die Chefin der linken Meretz-Partei, Zehava Gal-On, schrieb in einem Brief an den Verkehrsminister, dass ethnisch getrennte Buslinien für «rassistische Regimes» zum Stil gehören, in einer Demokratie aber «unannehmbar» seien. Quelle: 20 Minuten. (Haaretz und Meretz haben inzwischen ihre ersten Reflexkommentare revidiert).
Hier schreibt ein linker Altnazi: Napp, Karl schrieb am 4. März 2013 um 23:56: "Mich würde auch nicht wundern, wenn
die Israelis für den Sammeltransport der Palästinenser Müllwagen einsetzen
würden. Und zwar solche, die nach dem Losfahren die Ladung per
Hydraulikpresse zu handlichen Päckchen verarbeiten. Den Spruch mit dem
Biomüll und der Vergasung spare ich mir jetzt." Quelle: Kybeline.com.
Ganz Aktuell, aber an einem anderen Beispiel:
neu ist der Aufschrei, durch die palästinensische Führerschaft gekonnt und mit viel Erfahrung spontan organisiert, der Israel für den Krebstod eines palästinensischen Zuchthäuslers
und Mörders verantwortlich macht, welcher vor gestern in einem israelischen Spital
starb. Er starb an Krebs, hätte deshalb entlassen werden sollen, um zu Hause zu sterben, doch der Tod war
schneller als die israelische Gefängnisbürokratie. Israel sei schuld an seinem Tod
– wieder macht sich der Idiotenreflex bemerkbar, zu dem George Orwell die Feststellung machte: „Es gibt Ideen, die
so dumm sind, dass nur ein Intellektueller sie glauben kann“ (“Some ideas
are so stupid that only intellectuals believe them.”). Quellen dazu gibt es zuhauf.
Abschliessend
ein ganz feine Zusammenfassung aus Heplev:
http://heplev.wordpress.com/2013/03/13/von-al-durah-zu-badawi-todlicher-journalismus-und-wie-palastinenser-mit-ihrer-propaganda-konsens-herstellen/.
Donnerstag, 21. März 2013
„…weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Christian Morgensterns Gedicht: „Die unmögliche Tatsache“ in der krummen Realität der „Israelkritiker“
Die unmögliche
Tatsache
Palmström, etwas
schon an Jahren,
wird an einer
Straßenbeuge
und von einem
Kraftfahrzeuge
überfahren.
"Wie war"
(spricht er, sich erhebend
und entschlossen
weiterlebend)
"möglich, wie
dies Unglück, ja - :
daß es überhaupt
geschah?
Ist die Staatskunst
anzuklagen
in bezug auf
Kraftfahrwagen?
Gab die
Polizeivorschrift
hier dem Fahrer
freie Trift?
Oder war vielmehr
verboten,
hier Lebendige zu
Toten
umzuwandeln, - kurz
und schlicht:
Durfte hier der
Kutscher nicht -?"
Eingehüllt in
feuchte Tücher,
prüft er die
Gesetzesbücher
und ist alsobald im
Klaren:
Wagen durften dort
nicht fahren!
Und er kommt zu dem
Ergebnis:
Nur ein Traum war
das Erlebnis.
Weil, so schließt
er messerscharf,
nicht sein kann,
was nicht sein darf.
Israelhasser haben es schwer. Immer auf der Suche nach negativem,
möglichst Ungerechtem oder gar Blutrünstigem über Israel und seinen bösen Juden,
müssen sie oft äusserst phantasievoll und erfindungsreich sein, um ihre
Dummheit zu beweisen. Nie kommen sie auf die Idee irgendwelche in den Wind
gestellte „Fakten“ zu überprüfen, was stets dazu führt, Nachrichten und deren
dahinterstehende „Fakten“ ihrer Ideologie anzupassen. Mit anderen Worten:
bewusst zu lügen.
Ich will hier einige Beispiele dieses Phänomens aufführen. Vielleicht
ist es amüsant, aber typisch und dumm sind sie auf jeden Fall. Es geht diesen
vor Judenhass platzenden Terror-Sympathisanten vor allem darum, Israel
jeweilige Motivation zu verdrehen, ja ins Gegenteil zu verfälschen. Hier,
bitte, in würziger Kürze:
Viele Palästinenser arbeiten in Israel, um ihre Familien zu
ernähren. Bis zur Zweiten Intifada erreichten sie ihre Arbeitsplätze im eigenen
Auto, mit Bussen und Sammeltaxis, sogar per Autostopp. Nach Ausbruch der
Intifada Zwei und den palästinensischen Massenmorden an Israelis (Juden und
Araber) wurde der Sicherheitszaun errichtet, der auf der einen Seite den
palästinensischen Selbstmordtourismus fast gänzlich abbrach, aber auf der
anderen Seite die Bewegungsfreiheit der Palästinenser einschränkte. Auch
weiterhin arbeiten viele von ihnen in Israel, doch müssen sie sich an bestimmten
Grenzdurchgängen durchschleusen lassen. Auf der israelischen Seite warteten Busse,
Kleinbusse und Taxis, die Palästinenser an den Arbeitsort zubringen. Die Anbieter
dieser Transporte schröpften die ohnehin nicht gerade reichen Palästinenser, es
entstand eine eigentliche Transportmafia.
Nun entschloss sich die israelische Regierung diesem Zustand ein
Ende zu machen. Sie stellt den Arbeitern Busse zur Verfügung, die sie für einen
Viertel des bisherigen Preises an ihren Zielort brachten. Busse, die für diese
palästinensischen Arbeiter bestimmt sind, um ihnen ihren Transport zum Arbeitsplatz
zu vereinfachen und zu verbilligen.
Und schon springen gutmenschelnde Israelkritiker auf diesen
fahrenden Bus. Sie schreien Apartheid, kann es doch nicht sein, dass die
israelische Regierung etwas ohne rassistische Hintergedanken für Palästinenser
tut. Ein Bus nur für Palästinenser? Das kann nur Apartheid sein! Zwar ist diesen
Arbeiter unbenommen, auch heute noch ihre privaten teuren Taxis bemühen, sind
wir doch ein freies Land. Doch warum sollten sie? Wieder einmal haben die üblen
Gedankenmanipulationen mieser Hasser keine Grenzen. Wie alle Extremisten, links
oder rechts, a priori humorlose Menschen, verstehen sie Christian Morgensterns Schluss,
dass, eben nicht sein kann, was nicht sein darf, als grundsätzlichen Teil ihrer
Ideologie, einer sehr ernsthaften Ideologie, das sei gewiss, die auch den
Spruch des Morgenstern nur todernst nehmen kann.
Weiter erinnere ich mich an das fürchterliche Foto eines
blutüberströmten Palästinensers, hinter dem ein israelischer Polizist mit
erhobenem Stock steht. Leider mussten Israelkritiker ihre Freude einschränken, denn das
Opfer war ein jüdischer Student aus Amerika, der von seinem Vater sofort
erkannt worden war. Er war von diesem Polizisten vor einem palästinensischen
Lynch gerettet worden.
Oder wie wär’s mit der inzwischen gerichtlich enttarnten Fälschung
des Todes von Mohammed al-Dura, dessen Erschiessung durch israelische Soldaten von
einem Filmjournalisten arrangiert worden war und dann Gemüter erhitzte. Der
kleine Mohammed soll noch immer leben. Doch die ach so kurze Gelegenheit Israel
zu verleumden wurde mit Begeisterung wahrgenommen.
Es geschehen im Nahen Osten bis heute sich laufend verschlimmernde
monströse Blutbäder. Israel ist als Staat kein Engel und es geschehen
gelegentlich schlimme Dinge. Denn Israel ist vor 66 Jahren ein permanenter
Krieg aufgezwungen worden. Und in jedem Krieg geschehen nicht immer gewollte Dinge.
„La guerre c’est la guerre“ wie mein weiser Freund Roger Guth wiederholt von
sich gibt. Die ersten, die sich darüber aufregen sind die Israelis selbst, weil
sie sich schämen und Übergriffe so weit wie möglich berichtigen wollen. Aber
verglichen mit allem, was in unserer Nachbarschaft täglich geschieht ist Israel
ein Waisenhaus voller Waisenknaben.
Dienstag, 19. März 2013
Nach den israelischen Wahlen - der neue Hoffnungsträger
Seit Wochen wurde täglich klarer, dass Yair Lapid, der eigentliche Sieger der vergangenen Parlamentswahl, mit seiner politischen Karriere die Träume seines verstorbenen Vaters Tommy erfüllen will. Dieser wollte ein kulturell westliches Israel, demokratisch und säkular, ohne Erpressungen durch ultraorthodoxe Sektierer.
Sein Ziel hatte Tommy Lapid nicht erreicht. Ich bin überzeugt, dass seine politischen Enttäuschungen mitschuldig an seinem frühen Tod waren. Nun liegt es an seinem Sohn Yair, das Ziel seines Vater soweit wie nur möglich zu erreichen.*
Neuer Wind im Erziehungsministerium?
Mit seinen entschlossenen Verhandlungen mit Bibi und mit Hilfe seines neugewonnenen Freundes Naftali Bennett von der nationalreligiösen Siedlerpartei hat er Vorbedingungen geschaffen, die seinem Vater Tommy, seinerzeit Justizminister der Regierung Olmert, nicht zur Verfügung gestanden hatten. Die wohl wichtigste davon ist die parteiinterne Bestimmung, die Yair Lapid den Parteivorsitz bis 2020 sichert. Tommy Lapid hatte die Kontrolle über seine Partei durch den Aufstand junger und machtbesoffener Mitglieder verloren, die ihn herausekelten und prompt die Partei zerstörten.
Yair Lapid sicherte seiner Partei unter anderem das Finanzministerium und, nicht weniger wichtig, das Erziehungsministerium und das Gesundheitsministerium. Israel Schulen wurden seit der Machtübernahme durch den rechtsgerichteten Likud, besonders von der damaligen Erziehungsministerin Limor Livnat, qualitativ fast zerstört. Zum Entsetzen vieler Lehrkräfte in Volks- und Hochschulen bekam nationalistische Indoktrination Vorrang vor fachlicher und humanistischer Bildung.
Entmachtung der Ultraorthodoxen
Nun haben es Yair Lapid und seine Parteikollegen in der Hand, den religiös und nationalistisch korrumpierten Staat wieder auf die Reihe zu bringen. Es sind andere und offene Kriterien zu setzen, mit denen die staatlichen Mittel wieder vermehrt in die staatlichen Schulen und Hochschulen fliessen, statt an parasitäre haredische (ultraorthodoxe) Bibelschulen, die dem Staat und seinen arbeitenden Bürger absolut nichts bringen, ihn jedoch gnadenlos aussaugen.
All das in völligem Gegensatz zu den Schulen und Hochschulen der ersten drei bis vier Jahrzehnte des jüdischen Staates. Mit dem Wahlresultat seiner Partei hat Lapid die Haredim (die politische organisierte Ultraorthodoxie) entmachtet und so Netanyahu dessen bisherige automatische, weil kaufbare parlamentarische Mehrheit entzogen. Mit diesem bürgerlichen Zünglein an der Machtwaage wird, so ist zu hoffen, diese Regierung, die ohne Linke und Ultraorthodoxe auskommen muss, trotzdem zum humanistischen Gesellschaftsverständnis zurückfinden, das dem wirklichen Israel zugrunde liegt.
Das Spektrum der Lapid-Partei
Interessant an Lapids Partei „Yesh Atid“ (Es gibt eine Zukunft) ist die Zusammensetzung ihrer Knesset Fraktion. Dort gibt es u.a. einen Lokalpolitiker, zwei orthodoxe Rabbiner, davon einer ehemaliger Schulleiter und jetzt Erziehungsminister, die langjährige Bürgermeisterin von Herzliya, den Bürgermeister der Wüstenstadt Dimona, einen ehemaligen Chef der Spionageabwehr, einen Journalisten (neben Lapid, der ja auch einer ist), eine äthiopische Rechtsanwältin und einen äthiopischen Rechtsanwalt, eine säkulare - Talmud unterrichtende - Hochschullehrerin, einen ehemaligen hohen Polizeigeneral und eine Frauenrechtlerin.
Eines ist damit erreicht: Lapids Partei zeigt sich nicht als Jobverteilungsagentur für Parteimitglieder, sondern als bisher erfolgreiche Vertretung akzeptierbarer Prinzipien – ein Novum in der Politik Israel, seit der Likud vor Jahrzehnten die Macht ergattert hat.
Neue Mindestgrenze für Einzug in die Knesset
Ein wichtiger von Lapid und Bennett gewonnener Punkt ist das von zwei auf vier Prozent angehobene Minimum der Wählerstimmen, um überhaupt als Partei in die Knesset einziehen zu dürfen. Damit sind vor allem die aschkenasischen (osteuropäischen) Haredim und die arabischen Parteien betroffen, die sich nun über einen Zusammenschluss für die nächsten Wahlen Gedanken machen müssen.
Da Lapid eher zukunftsgerichtete Ministerien (Finanzen, Wirtschaft, Erziehung und Gesundheit) gewonnen hat, statt sich vor allem mit sicherheits- und aussenpolitischen Dingen zu befassen, steht, so denke ich, Wirtschafts- und Sozialpolitik für ihn im Vordergrund. Nethanyahus Macht hat nach diesen Wahlen plötzlich Grenzen gefunden, und das Duo Lapid/Bennett hat in den Verhandlungen um die Regierungsbildung demonstriert, dass man sich nicht von Bibi über den Tisch ziehen lassen muss.
Arbeitspartei mit vagem Profil
Anderes in dieser neuartigen, von politischen Neulingen durchsetzten Politlandschaft bereitet Sorgen, auch wenn die Freude über die Teilentmachtung Bibis noch im Vordergrund steht.
Es gibt in der Knesset keine wirkliche Linke mehr, ausser Meretz, einer Partei mit heute sechs Sitzen (vor den Wahlen drei) und der jüdisch-arabischen kommunistischen Partei Hadash mit heute drei Sitzen. Die Arbeitspartei hat unter ihrer Chefin Shelly Yachimovic eine Regierungsbeteiligung abgelehnt. Erstens will sie nicht einer Regierung von Netanyahu angehören - ein respektabler Einwand. Und zweitens interessiert sich Shelly fast ausschliesslich für Soziales und wirtschaftliche Umverteilung.
Besetzte Gebiete – eine zweitrangige Frage?
Was in den besetzten Gebieten und im Zusammenhang mit Friedensverhandlungen geschieht, ist ihr zweitrangig – eine Einstellung, die ich, wenn auch nicht so extrem, teilen kann. Die Zeit ist gekommen, Israel die in den letzten Jahrzehnten innenpolitisch teilweise verlorene ethische Basis zurückzugeben. Das Ideal einer für alle Bürger gerechten Gesellschaft, eines nicht schweinischen Kapitalismus à la Netanyahu und seiner oligarchischen Freunde, einer Gesellschaft, in der alle am gleichen Strick ziehen und nicht nur Rechte konsumieren sondern auch Pflichten erfüllen. Einem Land, in dem nicht Rechtsextremisten, orthodoxe und säkulare, rassistische Gesetze durchzubringen versuchen, die nur durch den entsetzten Druck vieler anständiger Bürger und den Höchsten Gerichtshof bisher abgewendet worden sind.
Kampf um den Erhalt der Demokratie
Nun liegt es an der Knesset und deren vor allem menschlichem Anstand statt nationalistisch-rassistischem Getue verpflichteten Mitgliedern, eine Politik nationaler Versöhnung zu führen. Ich wiederhole: Israel ist ein demokratischer Staat, der alles tun muss, einer zu bleiben. Zu leicht ist es, einer der manchen unserer Nachbarn ähnlichen Politik der religiösen Intoleranz und des Hasses zu verfallen, die alles Fremde ablehnt und für alle Misserfolge aussenstehende Sündenböcke sucht und für nichts Eigenverantwortung übernehmen will.
Israel liegt in einer eher barbarischen Region, in der Hass, fehlgeleitete Religion und Terror den Alltag bestimmen. Noch sind wir Israelis davon weit entfernt, müssen aber kämpfen - wirtschaftlich, politisch und sozial – um als Land demokratischer Traditionen zu überleben. Nicht als Teil der in dieser Region verbreiteten Willkür und Gewalttätigkeit, sondern als Teil moderner westlich-demokratischer Überzeugung.
*Yair Lapid: „Memories after my death“, Elliot & Thomson, 2011
(Dieser Artikel ist heute auch im Journal21 erschienen)
Montag, 18. Februar 2013
Drusen in Israel
Die Lage der Drusen auf der Golanhöhe ist durch die Vorgänge in Syrien in die Schlagzeilen gerückt. Etwas Information zu diesem Thema tut not.
Israels traditionelle drusische Minderheit
Folgende Geschichte erzählte mir mein drusischer Freund Hani aus
Daliat al-Carmel: „Als Israel 1948 von arabischen Armeen und palästinensischen
Freischärlern angegriffen wurde, rief der damalige Gewerkschaftsfunktionär Abba
Hushi die Führer der drusischen Dörfer auf dem Carmel an sein Krankenbett in
einem Spital in Haifa. Er war damals schon ein einflussreicher Politiker im
Land und wurde kurz später Bürgermeister der Stadt. Er wisse, sagte er den
drusischen Scheichs, dass die Araber sie mit Waffen versorgt hätten, damit sie
an den arabischen Angriffen teilnehmen und Juden töten könnten. Doch, so sagte
er, wir sind doch traditionell Freunde. Er verspreche ihnen, dass sie, wenn sie
sich still verhalten würden, er dafür sorgen würde, dass sie den Krieg
unbeschädigt überstehen und im neuen Staat Israel als freie Bürger leben würden.
Nicht nur die Drusen auf dem Carmel, sondern die meisten Drusen Palästinas
gingen auf Abba Hushis Vorschlag ein. Sie vertrauten ihm. Abba Hushi hielt sein
Wort“.
Im Übrigen ist hinzuzufügen, dass Abba Hushi einer
der grossen unter den sozialistischen Staatsgründern war, dessen Einfluss unter
anderem die Hafenstadt Haifa zum „Roten Haifa“ machte, einer Bezeichnung die
bis heute gültig ist.
Drusen sind überall im nördlichen Israel zu finden. Rund 110‘000
leben auf dem Carmel und in Galiläa, zerstreut in zahlreichen Dörfern, in rein
drusischen wie Daliat al-Carmel und gemischten Orten wie Usifiya und Shfar‘am,
wo sie zusammen mit muslimischen und christlichen Arabern und auch Juden gut
leben. Man nennt Israels Drusen die besten Zionisten und die grössten Patrioten
des Landes. Sie sind vertreten in zionistischen Organisation, halten an
Zionistenkongressen begeisternde Reden, die ich schon selbst miterlebt habe.
Der drusische Delegierte schimpfte mit ausländischen und israelischen jüdischen
Teilnehmern, sie würden Hebräisch weder lernen oder gar sprechen. Und, adressiert
an die amerikanischen und europäischen Juden, klagte er diese an, nicht
genügend unter ihnen würden Alia machen (nach Israel emigrieren). Israels
Drusen haben sich bewusst und freiwillig der allgemeinen Wehrpflicht
unterworfen und drusische Soldaten sind in Generalsrängen zu finden. Es gibt
eine Drusen-Bataillon, doch die meisten ziehen es vor in Eliteeinheiten
zusammen mit jüdischen Wehrmännern zu dienen.
Was Frauenrechte betrifft hinkt die drusische Gesellschaft weit hinter der
jüdischen und christlichen hinterher. Sie ist nicht weniger
patriarchalisch wie die traditionelle muslimisch-arabische; der Mann herrscht
und die Frau ist ihm unterworfen – es sei denn, die Familie hat sich dem
modernen israelischen Lebensstil soweit angepasst, dass sie ihre Töchter an
jüdische Mittelschulen schickt, in denen sie den jüdisch-israelischen Lebensstil
zu einem grossen Teil erlernen und übernehmen. Ihr hebräischer Akzent ist dann
nicht arabisch, sondern sie sprechen mit dem Akzent eines Sabres, einem in
Israel geborenen Juden. Entgegen dem Willen der drusischen Scheichs, aber von
ihren Eltern bewusst unterstützt, absolvieren junge Drusinnen in wachsender
Zahl den
zweijährigen israelischen Zivildienst – so weit wie christliche Araberinnen in Elite-Kampfeinheiten, sind sie noch nicht. Ein anderes Beispiel drusischer
Frauenrechte: da Drusen keine Muslime sind, dürfen sie Alkohol trinken – aber
nur die Männer. Frauen nicht, wie ich aus Erfahrung gelernt habe.
Drusen der Golan
Israel eroberte die Golanhöhe im Sechstagekrieg 1967, nachdem es
jahrelang von syrischer Artillerie beschossen worden war und unzählige Opfer
erlitten hatte. 1981 wurde die Golan annektiert und es herrscht dort
israelisches Gesetz. Heute leben auf dort gegen 20‘000 Drusen und etwa gleich viele
Juden, die unter anderem auch in Kibbuzim wohnen. Im Gegensatz zur Westbank
herrscht Frieden zwischen den zwei Bevölkerungsgruppen, fanatisches Siedlertum
und Grossisraelphantasien gibt es nicht. Die Golanhöhe ist heute eine der
wichtigsten Produzenten israelischer Landwirtschaftsprodukte, vor allem Obst
und Wein hoher Qualität. Daran sind Drusen und Juden beide beteiligt. Drusen
aus der Golan sind oft auf israelischen Jahrmärkten zu finden, wo sie vor allem
Lebensmittel anbieten, wie Olivenöl, drusische Pitot (Brot), oft enormer
Grösse. Ihre selbstgemachte Konfitüre ist sehr lecker.
Ein oberster Grundsatz des drusischen Volkes ist, volle Loyalität
dem Land gegenüber zu beweisen, in dem sie leben. Doch viele Golan Drusen haben
damit ein Problem. Durch die Annektierung der Golanhöhe durch Israel, erhielten
sie Gelegenheit israelische Bürger zu werden. Bisher haben die meisten das
abgelehnt, vor allem aus zwei Gründen. Bis anhin lebten syrische Drusen mit
besonderer Verbundenheit und Treue für die regierende Assad Familie. Diese gehört
einer anderen syrischen Minderheit an, den Alawiten. Beide Assads, Vater und
Sohn, förderten und schützten die drusische Gemeinschaft Syriens. Das ist der
eine Grund. Der zweite ist, dass bis zum heutigen blutigen Bürgerkrieg in
Syrien, Israel erfolglos versuchte mit Syrien Friedensverhandlungen
aufzunehmen, die natürlich die Rückgabe der Golan an Syrien beinhalten würde.
Das hätte zur Folge, dass Drusen israelischer Nationalität, wenn nicht sogar
alle, um ihr Leben fürchten müssten. Warum das so ist, muss, so hoffe ich,
nicht erklärt werden. Jetzt, mit der wankenden Herrschaft Bashar Assads und
seinem voraussehbaren Ende, dem aller Voraussicht nach eine noch brutalere
islamistische Herrschaft folgen wird, ist dieses Thema fast völlig vom Tisch. Früher
verbrannten Drusen der Golan demonstrativ ihre blauen israelischen Identitätskarten,
Solidarität mit der arabischen Welt zu demonstrieren. Heute, nachdem sie
offenbar erkannt haben, dass nach dem baldigen Ende der ihnen wohlgesonnenen Assad-Diktatur,
ihnen und ihrer Religion feindlich gesinnte Islamisten an der Macht sein
werden, haben sie ihre Einstellung gegenüber Israel geändert. Vor allem junge
Golan-Drusen wollen nun israelische Bürger werden. Täglich stehen Dutzende vor
den Schaltern des israelischen Innenministeriums, um israelische Staatsbürgerschaft
zu beantragen. Sie sind zum Schluss gekommen, dass diese der syrischen
Staatbürgerschaft vorzuziehen sei, dessen Regierung seine Bürger zu zehntausenden
umbringt. Bis anhin waren Drusen in Syrien eine bevorzugte Minderheit, so wie
die Alawiten Assads. Nach dessen Fall wird sich ihre Lage mit ziemlicher
Sicherheit ins Gegenteil umkehren. Drusen der Golan, ob israelische Bürger oder
nicht, wären dann zweifacher Verfolgung durch Islamisten ausgesetzt: als Drusen
mit ihrer nichtislamischen Religion und als „Israelis“, als Verräter, die
gemeinsame Sache mit dem jüdischen Erzfeind gemacht hätten.
In einem Artikel der Internetzeitung „Times of Israel“ wird ein
Druse (mit israelischem Pass) aus dem Dorf Massade auf der Golanhöhe zitiert: „Dieser
Trend wird sich verstärken. Mehr und mehr Leute verstehen, dass Israel ein gut regiertes
Land ist, in dem man leben und seine Kinder aufziehen kann. Das ist einem
Flüchtlingsleben in einem anderen Land vorzuziehen. In Syrien gibt es Massenmord
und sollten [die Drusen] unter syrische Kontrolle geraten, würden sie
voraussichtlich zu Opfern dieser Greueltaten. Wir sehen ermordete Kinder und
Flüchtlinge auf dem Weg nach Jordanien und die Türkei ohne Hab und Gut, und fragen
uns: „Wo will ich meine Kinder grossziehen. Die Antwort ist klar – in Israel
und nicht in Syrien“.“
Montag, 11. Februar 2013
Zwei Themen
Assad und seine Nachfolger
Dr. Assad, Präsident von Syrien und seine Aufständischen schlagen sich
gegenseitig und mit ehrgeiziger Brutalität tot. Bis heute sind zwischen 60‘000
und 100‘000 Tote zu zählen, so genau nimmt oder weiss es keiner. Syriens
arabischer Winter wurde, wie alle anderen auch, von Islamisten gehijackt. Genau
so, wie in Ägypten, in Libyen, in Tunesien usw. Religion springt auf den
fahrenden Zug, der durch das Volk der Verdrossenen und Frustrierten in Fahrt
gesetzt worden ist und stülpt ihm Allah, oder was sie dafür halten, über.
Viele Israelis, die sich nie für den Assad Clan und seine Diktatur
befreunden konnten, können sich mit einem allfälligen Regierungswechsel nur
zögernd, wenn überhaupt erwärmen. Der junge Assad hielt wenigstens seine
eigenen Grenzen zu Israel ruhig und zettelte bloss, mit iranischer
Unterstützung, die schiitische Hisbollah an, Israel zu gelegentlich zu bedrohen
und Raketen dorthin zu feuern. Sollten nun Islamisten, wenn auch sunnitische
al-Kaida Verbrecher, an die Macht kommen, könnte sich das ändern. Statt dem
Iran wären dann al-Kaida und ähnliche Urheber und Motivatoren zur Zerstörung
Israels. Regierungskreise geben heute schon bekannt, dass der nächste Krieg
Israels voraussichtlich im Norden, mit den Nachbaren Syrien und Libanon
stattfinden werde. Mit finanzieller Unterstützung aus Saudiarabien und den Emiraten am Golf.
Es sind gemischte Gefühle, die zurzeit in Israel herrschen. Ähnlich
tönt es im Zusammenhang mit einer Konfrontation mit dem heute islamistisch
regierten Ägypten. Ich habe keine Bedenken, Israel könnte sich mit diesen
Herausforderungen nicht messen. Nur ist es schade um Menschenleben und
finanzielle Mittel, die dadurch verloren gehen würden. Das gilt für beide
Seiten. In der arabischen Welt, ganz besonders in der islamistischen (das sind
fast alle), sollten Mittel zu Verbesserungen ihrer eigenen wirtschaftlichen und
sozialen Rückständigkeit verwendet werden, statt Kriege anzuzetteln und damit mit
Waffenkäufen eben diese Mittel zu „verbrennen“. Doch ist das Wort
Selbstverantwortung in ihrer Welt mehrheitlich noch immer ein Fremdwort.
Israel, mit seinen sozialen Problemen, für die, zu einem kleinen Teil auch der
Zustand mangelnden Friedens verantwortlich ist, hat einen enormen Nachholbedarf
seine eigene soziale Misswirtschaft zu kurieren. Unter Nethanyahu, der völlige
andere Prioritäten besitzt, ist das kaum zu erwarten, auch unter friedlicheren
Umständen. Denn dann müssten Siedlungstätigkeiten eingestellt und ein
palästinensischer Friedenpartner gesucht werden. Heute hat unser Land durch die
Resultate der kürzlich stattgefundenen Wahlen eine Chance erhalten, dies zu
ändern.
Das Mami des Dzhabrial Kadayev
Der Fussballklub Beitar Jerusalem hat ein jahrelanges Problem vielleicht
gelöst. Der Rassismus seiner Fans wurde zu einer enormen Hypothek für den Klub,
es hagelte Strafen und die Finanzierung litt. Der Klub schämte sich über seine
Fans. Die Fans bedrohten Spieler und Klubleitung, die sich fürchtete arabische
oder muslimische Spieler anzuheuern, etwas das im israelischen Fussball gang
und gäbe ist. Der Klubinhaber, der
jüdisch-russische Milliardär Gaydamak, fand den Mut zwei muslimische Spieler aus
Tschetschenien zu kaufen. Dzhabrial Kadayev und Zaur Sadayev von
tschetschenischen Klub Terek Grosny der russischen Nationalliga. Die erste
Reaktion der Rassisten unter den Fans war Schock und Wut. Sie reagierten
entsprechend. Das Klublokal von Beitar Jerusalem wurde angezündet und es
entstanden grosse Schäden. Der Klub und viele Fans im Lande, wussten nicht wie
das enden würden.
Heute Abend spielte Beitar Jerusalem gegen Bnei Sachnin, einem
arabischen Nationalligaklub aus dem Galil. Ich musste mir das ansehen.
Kadayevs Mutter wurde aus Grosny eingeflogen. Sie durfte im VIP-Raum
zusammen mit dem Jerusalemer Bürgermeister, der Sportministerin Limor Livnat
(der Hauptverantwortlichen für den Niedergang des israelischen Schulsystems)
und anderen sich wichtig vorkommenden Leuten sitzen. Ihr neunzehn Jahre alter
Sohn sass auf der Ersatzbank.
Beim FC Bnei Sachnin spielen nicht nur arabische, sondern auch
jüdische Spieler und afrikanische Söldner. Einer von diesen jüdischen Spielern heisst
Weizmann, ein hochzionistischer Name. Er spielte gut und bekam eine gelbe
Karte. Es ist eine Tatsache, dass arabische Integration im israelischen
Fussball sehr fortgeschritten ist, weit über den Rahmen des arabischen
Bevölkerungsanteils hinaus. Arabische Israelis spielen in fast allen Klubs und in
der israelischen Nationalmannschaft. Dort wurden sie in der Vergangenheit mit
Transparenten jüdischer Rassisten konfrontiert, im Sinne „arabische Spieler repräsentieren
uns [den Staat Israel] nicht!“. Vielleicht führt der Mut Gaydamaks und der
Klubleitung dazu, dass sich Fussballklubs in Israel nicht mehr von „ihren“ Fans
terrorisieren lassen. Allerdings will betont sein, dass Rassismus im Fussball nicht
weniger unter Fans im europäischen Fussball zu finden ist. Das macht den
israelischen Fussball-Rassismus nicht appetitlicher. Zwar haben wir ägyptische
Zustände nicht erreicht, wie beispielsweise das blutige Gefecht vom 1. Februar
2012 nach dem Spiel zwischen den Fans vom „FC al-Mazri“ (Port Said) und dem
Kairoer Klub „al-Ahly“, das mindesten 74 Tote produzierte. Ich erinnere mich auch, dass der Zürcher
Grasshoppers Club früher einen antisemitischen Ruf besass und Juden weder als
Mitglieder noch als Spieler aufgenommen habe.
Wie verhielten sich die im Teddy-Stadion (genannt nach dem berühmten
Bürgermeister Jerusalems Teddy Kollek) anwesenden Zuschauer. Es gab eine Überraschung:
die Beitar Jerusalem Fans verhielten sich vorbildlich. Es waren Transparente zu
sehen mit den Worten: „Wir lieben euch alle, wir sind keine Rassisten“. Von den gegen neuntausend Zuschauern seien nur 35 rabiate Beitar-Fans aus dem Stadion geführt worden, wie auch 35 Fans von Sachnin, die die Sicherheit gefährdet hätten. Der
Reporter erzählte, es habe einige rassistische Demonstrationen gegeben, die von
der Fernsehkamera nicht aufgenommen worden seien. Diese Ausbrüche seien nur von
einer winzigen Gruppe verursacht worden. Von all dem war nur eine Szene zu sehen: als vor Spielbeginn einige Sachnin-Fans von Wächtern der Ordnung aus dem
Stadion geführt wurden.
Zum Spiel selbst: in der ersten Halbzeit wurde Beitar Jerusalem
von Bnei Sachnin förmlich überrollt. Beitar lag bei der Pause 0:2 im Rückstand.
Die Ehrengäste im verglasten VIP-Raum schauten entsetzt durch die Scheiben. Gaydamak
raufte sich sichtbar die Haare. In der zweiten Halbzeit holte Beitar auf und
der Match endete 2:2. Zur lauten Freude aller durfte der junge Grosnyer Dzhabrial
Kadayev die letzten fünfzehn Minuten mitspielen – wohl um seiner Mutter eine
Freude zu bereiten. Ein Goal schoss er nicht. Der Trainer von Beitar Jerusalem
sei zufrieden mit ihm, doch habe er noch sehr viel zu lernen.
Dienstag, 29. Januar 2013
Hadschi Halef Omar und die nimmermüden Arabisten von heute
Man
darf wieder
Ich
schreibe viel. In meinem vorliegenden Blog, aber auch als Mitglied der
Autorengruppe des Journal21. Dort bin ich der einzige Mitarbeiter, der sich vor
Israel stellt und die Lügentiraden anderer Autoren (Ausnahme: Reinhard Meier) zum Thema zu berichtigen
sucht. Noch so gerne hätte ich einen Kollegen, der mich dabei unterstützt. Da
bin ich sehr persönlichen Hasstiraden judenhassender Kommentatoren ausgesetzt.
Mir ist klar, dass viele exponierte Juden davon betroffen sind. Ich kann mit
diesen Angriffen sehr gut leben. Sie die
zeigen, dass ich gelesen werde. Ich nehme an, dass sich diese Gegner meiner
Ansichten an mir abreagieren können, wie Katzen an einem Kratzbaum – ich habe
also, wenn auch unfreiwillig und unqualifiziert, eine therapeutische Funktion, von der schon Freud sagte, sie habe auch eine
kathartische Funktion. Ob das diesen antisemitischen Psychopaten und
Neurotikern hilft, weiss ich nicht und
interessiert mich nicht. Zudem habe ich mir abgewöhnt, diesen kranken Besserwissern zu antworten,
denn das ist schade um die Zeit. Doch habe ich gelernt, dass die Zahl der
Judenhasser bei weitem nicht so klein ist, wie Apologeten es uns einzureden
versuchen.
Trotzdem
beschäftigt mich dieser neue, offene Antisemitismus.
Bis vor wenigen Jahren noch aus politischer Correctness unterdrückt, aber ist er
heute durch den Einfluss des salopp als „Israelkritik“ verbrämten Judenhasses und
durch die geistige und finanzielle Unterstützung
des weltweiten Islamismus und dessen Hintermännern befreit. Man darf wieder.
Natürlich
darf man Israel kritisieren. Warum auch nicht. Ich tu’s ja auch. Aber nur, wenn
die Vorwürfe stimmen und der Kontext gewahrt bleibt. Und eben das geschieht
mehrheitlich nicht. Alles andere trägt zu den Vorurteilen und den Begründungen
falscher Meinungsäusserungen bei. Aber: oft beruft sich der selbsternannte und
meist ignorante Kritiker auf diesen oder jenen, der dies auch gesagt oder geschrieben hat. Insbesondere, wenn
diese Scheinquelle das eigene vorurteils- und klischeehafte Denkmuster spiegelt
und verstärkt.
Die
Sicht des Uri
Wer
mich kennt und wer mich liest, weiss, dass ich ein Gegner der Siedlungspolitik
bin. Aus zwei Gründen: Erstens, weil es, wie Prof. Yeshayahu Leibowitz s.A. vor
Jahrzehnten sagte, den Staat Israel und seine Bürger korrumpiert. Das hat sich
inzwischen bewiesen. In den eben abgehaltenen
Dann
gibt es aber eine zweite Seite dieser Medaille, den Kontext. Das heutige
Israel umfasst nur einen Teil jenes Gebietes, welches es im Laufe seiner langen
Geschichte inne hatte. Der restliche Teil wird von Menschen bewohnt, die
uns aus tiefster Seele hassen und die ihre Kinder auf eine Art erziehen, die
dafür sorgen soll, dass sich dieser Hass in den kommenden Generationen
fortsetzt. Das schon seit bald hundert Jahren, seit eine totalitäre Religion,
der heute Islamismus genannte politische Islam, seinen Einfluss mehr und mehr
verstärkte. Es geht nicht darum, dass es ein Israel gibt, sondern dass
Juden, also Nichtmuslime, in einen winzigen Teil der heute arabischen Welt
zurückgekehrt sind, ohne sich dieser als Dhimmi zu unterwerfen. Stattdessen
bauten diese Juden einen demokratischen Staat auf, der sich dazu noch erfolgreich
entwickelt und damit seinen Nachbarn augenfällig vorführt, wie sehr ihnen all
das fehlt, das unseren jüdischen Staat zum Blühen gebracht hat. Politisch,
wirtschaftlich, wissenschaftlich und sozial. Neid ist deswegen bestimmt ein
beachtlicher Teil des Israel- und Judenhasses der Palästinenser und vom Rest
der muslimischen Welt (im Israelhass ist auch arabischer Hass auf Israels
arabische Bevölkerung eingeschlossen, einem Phänomen, das ich aus erster Hand
kennengelernt habe), obwohl dies von meinen arabischen Freunden gerne unter den
Teppich gewischt wird. Der soziale Druck ist in dieser Gesellschaft enorm-und
proisraelische Ansichten können lebensgefährlich sein. Die Zivilcourage, sich
dagegen zu stellen, fehlt in der arabischen Welt fast völlig und hat keine
Tradition. Stattdessen wird, auch gegen besseres Wissen, gespurt.
„Israelkritik“
Als
vor einigen Monaten, sogar für Ministerpräsident Nethanyu, zu viele Raketen aus
Gaza in Israel gelandet waren und er endlich entschied, sich zu wehren, war es
das erste Mal, dass ein Teil der Welt Spuren von Verständnis für diese
Massnahme zeigte, denn die Zahl der Raketen, auch wenn deren Mehrzahl von
israelischen Raketen abgeschossen worden war oder erfolglos in leeren Feldern
landeten und verpuffte, überstieg das „Normalmass“ und bedrohte sogar Tel Aviv.
Der relativ erfolglose Raketenregen aus Gaza – das in diesem Zusammenhang
widerliche Wort „selbstgebastelt“ wurde und wird in diesem Zusammenhang gerne
angewendet, auch wenn es nicht stimmt – war nicht in der Absicht der
Hamas und seiner iranischen Verbündeten. Doch auch hier wird von „Überreaktion“
gesprochen und Bilanzen werden erstellt, wie etwa, Israel habe etwa zehn
Todesopfer erlitten und die Hamasbürger einige mehr – ergo stimmt die Bilanz
nicht. Viel wurde von den Kindern in Gaza berichtet, die unter Ängsten litten.
Aber die zigtausend israelischen Kinder, die traumatisiert wurden und seit
vielen Jahren darunter leiden und jahrelang, wenn nicht lebenslang therapiert
werden müssen, sind nur in der jüdischen Presse erwähnt. Für sie wird Rot immer
die Farbe des Schreckens und der Gefahr sein. „Zeva adom“ (rote Farbe) ist das
Codewort für einen Angriff auf die Städte im Süden.
Ignoranz
und Denkfaulheit
Die
auf Denkfaulheit und sträflicher Ignoranz beruhende, aber dennoch
populäre Behauptung der „Israelkritiker“, dass Israel auf dem
Staatsgebiet eines imaginären Palästinas gegründet worden sei, obwohl
die Palästinenser mit dem Holocaust und dem zweiten Weltkrieg gar nichts zu tun
gehabt hätten, ist eine grundsätzliche Lüge. Seit den späten zwanziger Jahren
des letzten Jahrhunderts wurde in Palästina Judenhass gepredigt. Beruhend auf
den Lehren des Hassan al-Banna, dem Begründer der Muslimbruderschaft,
organisierte der damalige Grossmufti Jerusalems und spätere
Nazi-Kriegsverbrecher Mohammed Amin al-Husseini Terrorattacken und Pogrome
unter den palästinensischen Juden. Die über sechzig Opfer des Pogroms in Hebron
in 1929 belegen nur einen der zahllosen Fälle. Husseini, ein begeisterter Anhänger
Hitlers, der zwei SS-Divisionen bosnischer Muslime für Hitler auf die Beine
stellte, die sich vor allem mit Judenmorden im alten Jugoslawien hervortaten,
verbrachte den Krieg bei Hitler, wurde aber nach dem Krieg nie vor Gericht
gestellt. Die Motivation seiner Taten war Judenhass, mit Begründungen aus dem
Koran kaschiert. Er und seine zahlreichen Anhänger verübten unzählige Anschläge
und lehrten die bis anhin ein sehr verträgliches und beidseitig profitables
Verhältnis mit Juden lebenden Araber (heute zu Palästinensern mutiert), ihre
jüdischen Nachbarn zu hassen. Ein Teil der damaligen arabischen Bevölkerung
nahm daran teil, denn schon zu Husseinis Zeiten wurden Araber Palästinas, die nicht
spurten, von Islamisten terrorisiert. Nichts hat sich daran geändert.
Irans
Ahmedinejad und seine ebenfalls schiitischen Hisbollahis im Libanon hassen uns
ausschliesslich, weil wir Juden sind. Einen anderen Grund gibt es nicht. Damit
führen sie Hitlers antisemitische Ideologie und seine Taten weiter, sie sind
seine Erben. Ebenso sind es die heutigen Muslimbrüder und ihre palästinensische
Filiale, Hamas Erben – schwarz auf weiss in den Hamasgrundsätzen verankert. Das
Gefühl der Palästinenser, man habe ihnen etwas weggenommen, auch wenn sie
selbst Verantwortung dafür tragen, können die Schiiten nicht haben. Doch
Vernunft hat im Mittleren Osten wenig zu suchen, sie hat rechthaberischer
Gewalt Platz gemacht, wenn sie überhaupt je zu finden war.
Es
gibt ein antijüdisches Argument monumentaler Frechheit. Nämlich die Frage: „Ja
habt denn ihr Juden vom Holocaust nichts gelernt? Ihr behandelt die
Palästinenser wie einst die Nazis euch.“. Wir Juden – es kann sein, dass
Mitglieder der JVJP mir nicht mir beipflichten – haben gelernt, dass wir auf
uns selbst gestellt sind, uns nur selbst helfen können und deshalb stark sein
müssen. Wir haben gelernt, nicht in fremde Hintern zu kriechen und uns nur auf
uns selbst zu verlassen. Als die Juden schon 1938 an der Evian Konferenz um
Asyl vor den Naziverfolgungen ansuchten, wurde diese Bitte von allen 32 teilnehmenden
Ländern abgelehnt. Das Resultat kennen wir alle. Damals und bis zum Kriegsende
konnten sich die europäischen Juden nicht wehren. Zwar gab es Ausnahmen, wie
die Ghettoaufstände in Polen und die jüdischen Partisanen in Osteuropa. Das ist der
Grund, dass Israel militärisch stark ist – sonst hätte es nicht überlebt. Israel und seine Juden haben aus der Geschichte gelernt. Seine Kritiker nicht.
Zusammenfassung
Israel
hat Probleme. Viele sogar. Darunter gibt es auch selbst verursachte. Probleme
der äusseren Sicherheit, Probleme der Integration neuer Einwanderer, die obwohl
Juden aus verschiedenen Kulturkreisen gekommen sind. Europäische und
amerikanische Juden, orientalische und sephardische Juden, arabische
Minderheiten, die sich in Muslime, Christen und Drusen aufteilen. Es gibt
Juden, die von Grossisrael träumen und dies gewaltsam durchsetzen wollen, ja es
gibt sogar einige, die den einstigen Tempel wieder auf dem Tempelberg erbauen
wollen. Es gibt ultra-orthodoxe Juden, die den Staat materiell aussaugen und religiös
erpressen. Das ist eine Auswahl israelischer Probleme, die der Staat lösen
muss. Israel ist eine pulsierende Demokratie, die nicht nur von aussen, sondern
auch von innen gefährdet ist. Es ist ein multikultureller Staat par excellence,
mit einer kleinen Bevölkerung mit riesigen kulturellen Unterschieden. Und
trotzdem – oder eben deshalb – blüht es.
Die
Welt stellt an Israel Ansprüche, die an keinen anderen zivilisierten westlichen
Staat gestellt werden. Eine Begründung dazu ist völlig rassistisch nämlich,
dass man von Israel mehr und besseres erwarte, als von seinen Nachbarn. Was in
anderen Worten heisst, dass die arabisch-muslimische Welt eine Welt der
Unfähigen, Zurückgebliebenen und Primitiven sei, die statt in Strohröckchen mit
Leintüchern behangen herumlaufen, ihre Frauen malträtieren und Ungläubige
köpfen. Gutgemeinte Vorurteile, die unseren Konflikt mit den Nachbarn
verniedlicht. Ist Israelkritik wirklich nur gutgemeint?
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